Auf der Milford Road zum Lake Gunn
Der Morgen beginnt mit weitgehend blauem Himmel – vom gestrigen Regen keine Spur mehr. Für die nächsten zwei Tage sieht die Vorhersage gut aus – zumindest für Te Anau, für mein heutiges Ziel am Lake Gunn an der Milford Road gibt es leider keine Daten vom Metservice, sondern nur für Milford Sound, was aber auf der anderen Seite der Berge liegt und daher gar nicht hilft. Die Vorhersage veranlasst mich jedenfalls dazu, zusätzlich zu der einen Nacht, die ich auf dem Cascade Creek Campground schon gestern gebucht habe, noch zwei weitere Nächte zu buchen.

Bevor ich mich auf den Weg mache, gehe ich noch kurz in den Ort und laufe frisches Brot. Außerdem fahre ich zu einem öffentlichen Wasserhahn, von denen es mehrere im Ort gibt. Dort können Camper ihre Wassertanks umsonst auffüllen. Ich habe zwar in dem 25-Liter-Kanister, der vom Vermieter gefüllt war, noch gar nicht viel verbraucht. Aber da das Wasser darin mittlerweile schon zwei Wochen alt ist, will ich es doch mal tauschen. Schlecht würde es so schnell nicht, aber der Geschmack könnte vom Plastikkanister beeinträchtigt sein. Also tausche ich einmal das alte Wasser gegen frisches. Ich bummle dann noch ein wenig durch den Ort und tanke.

Dann geht es auf die Milford Road, also die gut 120 km lange Sackgasse, die von Te Anau aus nach Norden führt und im Ort Milford Sound endet. Diese Straße ist über fast die ganze Strecke eine einzige riesige Sehenswürdigkeit, wobei die Gegend immer schöner wird, je weiter man fährt. Die eigentlichen Highlights werde ich heute nicht erreichen, denn sie legen jenseits meines heutigen Etappenziels am Lake Gunn. Unterwegs lege ich aber diverse Zwischenstopps ein und mache kurze Spaziergänge.

Der Cascade Creek Campground ist ein riesiges Areal mit sehr vielen Stellplätzen, die aber erfreulicherweise so groß sind, das die direkten Nachbarn schon einige Meter entfernt stehen. Die Ausstattung ist einfach: Plumpsklos, ein Shelter mit Regenwassertank, ein paar Tische und Bänke und Feuerstellen. Und das in einer wunderschönen Umgebung: Das Eglinton Valley ist hier schon deutlich schmaler als weiter unten und so ist der Platz ringsum von Bergen umgeben. Direkt neben meinem Stellplatz fließt der Fluss und in den Büschen am Ufer treiben sich diverse Vögel herum: eine Familie von Wekas mit drei Jungtieren, Robins, Tomtits, einen Tui, und einen Bellbird sehe ich – und am nächsten Morgen, so weiß der Harald aus der Zukunft, landet drei Meter von mir entfernt ein Greifvogel – entweder ein Harrier oder ein Falke, ich bin zu verdutzt, um das auf die Schnelle zu erkennen. Auch er ist verdutzt und fliegt dann erstmal zwanzig Meter weiter.

Mit Greg und Cathryn, einem älteren Ehepaar aus der Nähe von Stonehenge – auch die beiden haben mal in Gütersloh gelebt, als er Pilot bei der Air Force war – mache ich einen Abendspaziergang zum Lake Gunn, bei dem sich ein Robin sehr für uns interessiert und ganz nahe an uns herankommt, dann ein wenig herumflattert und immer wieder zu uns zurück kommt. Die Gespräche mit den beiden sind sehr nett und sie laden mich anschließend zu einem gemeinsames Bierchen an ihrem Camper ein – sie haben eine deutlich luxuriösere Variante gewählt.

