Die letzte Nacht hier auf dem Campingplatz war die kälteste, die ich bislang in Neuseeland erlebt habe. Zum Sonnenaufgang war es gerade mal 1° „warm“. Auch nach dem Frühstück ist es erst 3°, was mich aber nicht davon abhält, eine meiner Lieblingstageswanderungen an der Milford Road anzugehen, nämlich die zum Key Summit, einem Hügel mit tollen Aussichten auf die gesamte Umgebung dort.

Mein Versuch, mir mit dem Kocher, der zur Ausstattung meiner Raumkapsel gehört, einen Tee zu kochen, scheitert erbärmlich. Anfangs brennt der Kocher noch ganz ordentlich und erhitzt das Wasser auch ein Stück weit, aber nach kurzer Zeit lässt die Leistung so weit nach, dass da nicht mehr viel passiert. Immerhin habe ich ein bisschen warmes Wasser, das ich zur morgendlichen Katzenwäsche nutzen kann. Und zur Enteisung der Windschutz- und der Heckscheibe, denn die sind – wie auch der Rumpf des Autos mit einer Eisschicht bedeckt. Mit einem Lappen träufele ich immer ein bisschen Wasser auf die Scheiben, bis diese schließlich eisfrei sind und ich – nachdem ich auch mein Müsli verzehrt habe und der gestern schon erwähnte Falke (mittlerweile bin ich einigermaßen sicher, dass es einer war) mich besucht hatte.

Aufstieg zum Key Summit

Die Fahrt zur Divide ist schnell zurückgelegt. Die Bäche jenseits dieser Stelle fließen in den Hollyford River, der nordwestlich von hier in die Tasmanische See mündet; die Bäche bis hier fließen in den Eglinton River, dessen Wasser letztlich an der Südküste Neuseelands ins Meer fließt – daher der Name. Die Divide ist für Besucher der Region vor allem deshalb interessant, weil hier mehrere bekannte Wanderwege starten (oder enden, je nach Gehrichtung). Dazu gehören insbesondere der Routeburn Track sowie der Greenstone und der Caples Track. Es gibt Shuttle Services, die Wanderer hier hin bringen oder abholen – eine sehr hübsche Variante ist es beispielsweise, den Routeburn Track von seinem östlichen Ende aus zu starten und dann an der Divide zu beenden, sich dort dann von einem Shuttle nach Milford Sound bringen zu lassen und dort eine Overnight Cruise mitzumachen, bevor man sich dann mit dem Bus nach Te Anau weiter begibt.

Natürlich kann man auch auf dem Routeburn Track von der Divide aus eine Tageswanderung machen – das habe ich 2013 gemacht – oder eben die auf den Key Summit. Und letzteres ist mein Vorhaben für heute. Der erste Abschnitt ist dabei identisch mit dem Routeburn Track und führt leicht ansteigend und sehr gut ausgebaut durch den Wald. Nach etwa einer Stunde erreicht man dann den Abzweig zum Key Summit, ab dem es dann kontinuierlich bergauf geht. Auch hier ist der Weg sehr gut zu gehen und nach einer halben Stunde (mit Fotostops) und knapp 400 Höhenmetern ist der Gipfel erreicht. In einem kleinen Tarn (Kar heißen die wohl auf deutsch) spiegeln sich die Darran Mountains, genauer gesagt der fast 2500 Meter hohe Mount Christina und der knapp 1900 Meter hohe Mount Lyttle zwischen denen sich der Lake Marian befindet, der morgen noch eine Rolle spielen wird. Auf einem kleinen Rundgang hier oben hat man außerdem herrliche Aussichten in alle Himmelsrichtungen, darunter auch auf die Humboldt Mountains, an deren Hängen entlang der grandiose Routeburn Track verläuft – wer zu dem mehr wissen will, findet dazu einiges aus früheren Jahren hier im Blog.

Auf dem Key Summit

Ich mache mich an den Abstieg und dann auf einen kleinen Abstecher ein Stück weiter auf dem Routeburn Track. Dieser führt mich zum Lake Howden, an dessen Ufer bis 2020 eine Hütte stand, auf deren Terrasse ich schon zweimal auf der letzten Etappe des Routeburn Tracks mein Lunch zu mir genommen habe. Sie wurde dann aber während eines Sturms durch einen Erdrutsch so stark beschädigt, dass sich das DOC für einen Abriss entschieden hat und wohl auch keinen Neubau anstrebt. Obwohl sich damals 30 Leute in der Hütte aufhielten und ein Baum mitten in die Hütte gekracht ist, gab es wohl nur leichte Verletzungen. An der Stelle, wo die Hütte stand, ist nun jedenfalls nur noch Geröll.

Lake Howden

Da das Wetter zumindest auf dieser Seite der Berge gut ist, entscheide ich mich nach Rückkehr zur Divide kurzentschlossen zu einer Stippvisite am Milford Sound. Von der Divide aus sind es gut 35 km bis dorthin. Und wie gestern schon angedeutet, ist diese Straße eine einzige riesige Sehenswürdigkeit. Sie führt durch ein recht enges Tal mit ringsum hoch aufragenden Bergen auf eine Felswand zu, durch die der – einspurige, durch eine Ampel koordinierte – Homer Tunnel bergab führt. Auf der anderen Seite des Tunnels ist die Landschaft nicht weniger spektakulär. Die Straße endet schließlich am Milford Sound im gleichnamigen kleinen Ort. Dort spaziere ich ein wenig herum, trinke einen Kaffee und esse ein Stück Möhrenkuchen, bevor ich mich auf den Rückweg zum Cascade Creek Campground mache.

Milford Sound

Leave a Reply