Nachdem ich mich kurzfristig entschieden habe, statt eine dritte Nacht auf dem Cascade Creek Campground zu verbringen, sondern wieder in Te Anau zu übernachten, mache ich bei wechselhaftem Wetter erneut eine Tageswanderung auf einem Teil des Kepler Tracks, dieses Mal vom anderen Ende aus, also dem, auf dem die meisten Wanderer (ich auch schon zwei Mal) die drei bis vier Tage des Kepler Tracks gehen.

Ich fahre zu den Control Gates des Lake Te Anau, die den Abfluss des Wassers in Richtung Lake Manapouri regulieren, der seinerseits wie schon in einem früheren Beitrag geschrieben, ein Wasserkraftwerk speist. Von dort aus geht es teils nah am Seeufer, teils etwas tiefer im Wald auf einem flachen sehr gut ausgebauten Weg in etwa einer Stunde bis zur Brod Bay. Viele Wanderer, die den gesamten Kepler Track gehen, sparen sich diesen Teil und lassen sich mit einem Wassertaxi von Te Anau in diese Bucht übersetzen. Der Weg durch den Wald ist zwar durchaus sehr schön, aber auch nicht so anders als das, was man am letzten Tag der Wanderung eh noch zu sehen bekommt.

Wald auf dem Kepler Track

Hier beginnt nun der Anstieg, denn vom See auf etwa 220 Metern Höhe geht es für mich nun bis über die Baumgrenze, die auf ziemlich genau 1000 Metern Höhe liegt. Anfangs steigt der Weg noch recht sanft an, wird dann ein Stück steiler und wieder etwas weniger steil, bevor dann auf einem recht kurzen Stück Strecke 200 Höhenmeter zurückgelegt werden.

An einer steilen Felswand vorbei gehend bleibt man dann eine Weile auf etwa 800 Metern Höhe, bevor es an den Schlussanstieg geht und sich erstmals Blicke auf den South Fiord des Lake Te Anau ergeben. Über weite Passagen ist das wenig fotogen, da es praktisch keine Aussichten gibt – wobei man im Wald natürlich viele schöne Motive findet. Das ist auch der Grund, warum ich über die Baumgrenze hinaus gehen will. Allmählich lichtet sich der Baumbestand – hier oben sind nun auch vor allem Mountain Beeches zu sehen, während weiter unten im Wald viele Red Beeches standen.

Klippen im oberen Teil des Kepler Track

Schon seit einer Weile regnet es leicht, was im Wald nicht störend war. Als ich die Baumgrenze erreiche, kommt allerdings der Wind dazu – ich hatte mich zuvor im Visitor Centre des DOC in Te Anau erkundigt und wusste daher, dass für die Höhen starker Wind angesagt war. Daher ziehe ich nicht nur meine Softshell über – bis hier hatte ich am Oberkörper nur ein Hemd über einem T-Shirt getragen –, sondern auch noch die Regenjacke darüber und setze auch die Kapuze auf. Zwischen den Wolken gibt es immer wieder auch Stellen, an denen die Sonne durchkommt und das Tussockgras golden leuchten lässt sowie herrlich Konturen auf die Berge zeichnet.

Jenseits der Baumgrenze: Blick auf den Lake Te Anau

Nachdem ich eine Reihe von Fotos gemacht habe, geht es an den Abstieg. 800 Höhenmeter merkt man dann schon ganz gut, aber der Weg ist deutlich einfacher zu gehen als der gestern vom Lake Marian hinab – die Great Walks sind halt in der Regel schon sehr gut ausgebaut, auch wenn es immer wieder mal Passagen gibt, wo der Weg durch Witterungseinflüsse schlechter ist. Und wo ein Stück nicht begehbar ist, legt das DOC provisorische Routen an, die dann natürlich auch weniger gut ausgebaut sind.

Zurück am Lake Te Anau: Brod Bay

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