Ein Stück Routeburn Track
Heute geht es auf eine meiner Lieblingswanderungen. Der gesamte Routeburn Track ist meiner Ansicht nach direkt nach dem Milford Track die schönste Mehrtageswanderung, die ich je gemacht habe. Und das östliche Ende dieses Tracks halte ich für die schönste Tageswanderung, die man in Neuseeland machen kann – aber da gibt es einige, die ebenfalls sehr schön sind.
Von der westlichen Seite – von der Divide aus – bin ich ja bereits das erste kleine Teilstück des Routeburn Track gegangen, dann aber mit dem Abzweig (bzw. dem eigentlichen Ziel) zum Key Summit und dann noch bis zum Lake Howden. Wer wissen will, wie es danach weitergeht, und zwar bis kurz hinter den Lake Mackenzie, kann das im Blog von 2013 nachlesen. Von Osten aus kommend habe ich hier im selben Jahr ebenfalls eine lange Tageswanderung bis auf den Conical Hill gemacht. Auch den gesamten Routeburn Track bin ich schon zweimal gegangen – Berichte dazu findet Ihr hier im Blog.
Heute soll es nur bis zur Baumgrenze gehen, um zum einen den schönen Track bis dahin zu erleben und zum anderen schöne Aussichten zu genießen. Von Glenorchy aus fahre ich erneut zur gestern erwähnten One Lane Bridge. Kurz hinter dieser zweigt eine Schotterstraße ab, über die nach etwa 6 km das Ende der Straße erreicht ist. Dort steht der Shelter, an dem vor allem die Leute, die nun in drei Tagen zur Divide oder in fünf Tagen über den Greenstone oder Caples Track zurück an den Lake Wakatipu wandern wollen und sich in der Regel mit einem Shuttle hier haben absetzen lassen, noch einmal die Toilette nutzen (hier sogar mit Wasserspülung!) und ihr Gepäck schultern.
Eine Tageswanderung, wie ich sie vorhabe, kann man ohne Voranmeldung und ohne Kosten machen; dagegen muss man die Mehrtageswanderungen buchen, da die Schlafplätze in den Hütten und auf den Campingplätzen begrenzt sind und vorab bezahlt werden müssen. Insbesondere die Great Walks, derer es zehn gibt und zu denen der Routeburn Track zählt, sind Monate im Voraus ausgebucht; allerdings gibt es immer wieder Absagen und man kann mit etwas Glück und viel Flexibilität einen Platz ergattern.

Die Wanderung führt durch einen sehr schönen Wald, im Wesentlichen dem Verlauf des Routeburn folgend, wobei sich der Weg manchmal durchaus ein Stück von ihm entfernt und auch deutlich oberhalb verläuft. Es geht also nicht nur flach zu, aber es gibt auch keine wirklich langen oder steilen Steigungen. Und wie meist bei den Great Walks ist der Weg sehr gut ausgebaut. Lediglich an manchen Stellen, an denen es vor kurzem einen Teil des Weges weggespült hat – was immer wieder vorkommt –, geht es dann mal ein wenig über Wurzeln oder durch Matsch. Dieser erste Abschnitt der Wanderung, bei dem auf etwa 7 km die ersten 200 Höhenmeter ganz allmählich gewonnen werden, endet an den Routeburn Flats, einer weiten Ebene, die sich zwischen den umliegenden Bergen öffnet. Hier steht auch die erste Hütte der Wanderung, die aber viele Mehrtageswanderer auslassen (wie ich auch seinerzeit), weil sie die folgende Hütte aus guten Gründen bevorzugen.

Ich mache hier ein paar Fotos und nehme einen Müsliriegel zu mir. Dann geht es an den Aufstieg. Auf 2,5 km geht es gut 300 Höhenmeter nach oben. Das ist mit Tagesgepäck kein Problem; für die Mehrtageswanderer, die an ihrem ersten Tag ja auch noch das Futter für die gesamte Wanderung bei sich tragen und natürlich auch die Kleidung für jedes denkbare Wetter, ist das schon ein Stück anstrengender. Und wer dann noch bis auf den Conical Hill weiter will, der hat anschließend noch einmal gut 570 Höhenmeter vor sich. Aber das habe ich ja zum Glück nicht vor. Bäche werden hier übrigens im besten Fall (und der ist auf dem Routeburn Track überall gegeben) auf Swingbridges überquert. Viele von denen sind seit meinem letzten Besuch hier erneuert und verstärkt worden: Wo es früher oft Brücken gab, die immer nur eine Person betreten durfte, dürfen nun meist 5 oder gar 10 Personen gleichzeitig über diese Brücken. Wenn das der beste Fall ist, wie sehen dann die schlechteren aus? Nun, entweder gibt es einen Walkwire – da besteht der „Fußboden“ dann nur aus einem dicken Draht statt aus Holzplanken – oder man muss den Fluss oder Bach durchqueren.

Der knackige Anstieg ist wie gesagt recht kurz und auf ziemlich exakt 1000 Metern über dem Meeresspiegel ist die Baumgrenze erreicht. Und genau dort liegt die Routeburn Falls Hut – die schönste Hütte, die ich bislang besucht habe. Tatsächlich sind es zwei Hütten, die hier stehen, denn den Routeburn Track kann man auch als geführte Wanderung machen, bei der man nur das mit sich trägt, was man den Tag über braucht, unterwegs von Guides betreut wird und in bewirteten, gut ausgestatteten Hütten übernachtet – was eine Stange Geld kostet, aber Leuten, die Möglichkeit zu solchen Wanderungen eröffnet, die sie ansonsten nicht machen könnten. Auf dem Foto ist vor allem das Dach dieser Hütte zu sehen; das Dach der Hütte der „Freedom Tramper“ (tramping ist das neuseeländische Wort für wandern) ist dahinter knapp zu sehen. Tatsächlich ist diese Hütte die schöner gelegene, denn von ihrer riesigen Terrasse aus und auch vom Aufenthaltsraum bzw. der Küche aus schaut man direkt auf ein großartiges Panorama.

Ich besuche noch den Wasserfall, dem die Hütte ihren Namen verdankt. Dieser rieselt gleich hinter der Hütte den Berg hinunter. Nach ein paar weiteren Fotos und einem weiteren Müsliriegel geht es auf demselben Weg zurück zum Ausgangspunkt und von dort wieder zum Campingplatz in Glenorchy.
