Arrowtown
Heute verabschiede ich mich nun von Glenorchy und lege einen gemütlichen Tag ein. Mit dem Auto geht es entlang des Lake Wakatipu zurück nach Queenstown und dann weiter nach Arrowtown. Dabei lege ich mehrere kurze Stopps ein.
Den ersten lege ich an Bennetts Bluff ein, wo ich vor ein paar Tagen bereits ebenfalls einen kurzen Stopp eingelegt habe. Da das Wetter heute und das Licht um diese Zeit noch einmal etwas anders sind, lohnt sich dieser kurze Spaziergang auf jeden Fall. Die Aussicht auf das Nordende des Lake Wakatipu von hier aus ist einfach schön. Der Taleinschnitt am linken Seeufer bei etwa einem Drittel auf dem Bild ist übrigens das gestern bewanderte Greenstone Valley.

Nur wenige Kilometer weiter lege ich den nächsten Stopp ein, dieses Mal am 12 Mile Delta. Das ist nun doch endlich einmal ein richtiger „Lord of the Rings“-Besuch für mich. Dieser Ort diente als Ithilien in der Verfilmung; Frodo, Sam und Gollum beobachteten hier die Haradrim mit ihren Oliphanten und Sam kochte hier zu Gollums Unmut Kaninchen, die seiner Ansicht nach roh doch viel besser schmecken und durch das Kochen nur verdorben werden.

Durch Queenstown fahre ich nur durch und gleich weiter nach Frankton, das auch nicht weiter interessant ist, aber Tankstellen und Supermärkte nah beieinander hat. Nach den Erledigungen dort fahre ich die wenigen Kilometer weiter nach Arrowtown. Dieser Ort war in den 1860er Jahren das Zentrum des ersten Goldrauschs in Neuseeland mit über 6000 Einwohnern. Nachdem dieser vorbei war, schrumpfte der Ort immer weiter und drohte gar, zu einer Ghost Town zu werden, als hier nur noch 40 Menschen lebten. Dann entdeckten die Weinbauern die Region und nach und nach siedelten sich zahlreiche wohlhabende Leute und Prominente in der Gegend an. Der historische Gebäudebestand wurde restauriert und renoviert, es zogen Geschäfte und Galerien ein und nun ist der ganze Ort ein Anziehungspunkt für Touristen.

Nicht weit entfernt – ein Tagesmarsch zu Fuß oder eine Autofahrt, für die man allerdings ein geländegängiges Fahrzeug und entsprechende Fahrkenntnisse braucht – gibt es auch noch eine richtige Ghost Town, nämlich Macetown, sowie diverse Relikte aus der Zeit des Goldrauschs. Dort war ich noch nie und besuche den Ort auch dieses Mal nicht. Eine Besonderheit von Arrowtown ist übrigens noch, dass es hier im Herbst golden leuchtet, denn die Bewohner seinerzeit haben hier europäische Bäume gepflanzt, um sich wie zu Hause zu fühlen. Dafür bin ich allerdings ein wenig zu früh dran.

Am Arrow River treffe ich zwei Neuseeländer, beide etwas älter als ich, die ich anspreche, ob sie etwas gefangen haben, weil ich dachte, sie hätten geangelt. Darauf antwortet mir der eine, dass sie „Panning“ waren, und der andere holt ein kleine Gefäß aus der Tasche, in dem einige kleine Goldkörner schwimmen – das reicht wohl nicht, um reich zu werden, aber in kleinen Mengen kann man mit Geduld offenbar durchaus noch Gold hier finden.

Ebenfalls restauriert hat man Teile des Chinese Village, ein Teil der Geschichte Arrowtowns, der wenig rühmlich ist, aber den man hier recht gut aufgearbeitet hat. Zu Zeiten des Goldrauschs kamen auch sehr viele Chinesen in die Gegend, die von den Pakeha – den Einwanderern europäischer Abstammung – aber ausgegrenzt wurden und die nicht im eigentlichen Ort wohnen durften. Auch durften sie keine Claims abstecken, sondern nur in denen nach Gold suchen, die die vorherigen Besitzer bereits aufgegeben hatten, weil sich der Ertrag ihrer Auffassung nach nicht lohnte.
