Siberia Experience
Als ich vor 30 Jahren das erste Mal in Makarora war, sah ich dort das auch in meinem Reiseführer beschriebene Angebot namens Siberia Experience: eine Kombination aus einem ca. 15-minütigen Flug, einer knapp dreistündigen Wanderung und einer knapp halbstündigen Fahrt mit einem Jetboat. Seitdem steht diese Tour auf meiner Bucket List. Und als ich gestern hier ankam und die Wettervorhersage sehr günstig war, habe ich natürlich gleich geschaut, ob für den heutigen Tag noch Plätze frei wären. Es waren, also habe ich sofort gebucht
Die Tour beginnt direkt am Campingplatz, denn dort sind auch die Offices der lokalen Anbieter. Um 9 Uhr soll es losgehen und eine halbe Stunde vorher soll man dort sein – was nicht schwerfällt, da ich ja quasi schon vor Ort bin. Es stellt sich heraus, dass wir den Flug zu fünft angehen, wobei wir nur zu dritt die Siberia Experience machen; die beiden anderen machen nur einen Rundflug, fliegen im Anschluss also gleich wieder zurück. Auch der Weg zum Flugzeug ist nicht weit: Wir müssen nur einmal die Straße überqueren und da steht unser Flieger, zu dem unser Pilot Hamish uns begleitet. Es handelt sich um eine Maschine mit insgesamt sechs Sitzen – die beiden Paare dürfen die Plätze in den hinteren Reihen einnehmen, ich den auf dem Sitz für den Co-Piloten.

Über die Graspiste rumpelt der Flieger zum Anfang der Startbahn, dann gibt Hamish Gas und nach kurzer Rumpelei erheben wir uns in die Lüfte. Es geht ein wenig in Richtung Süden, bevor wir dann in das Tal des Wilkin River abbiegen, durch das wir später mit dem Jetboat zurückkehren werden. Diesem folgen wir aufwärts bis zu den bis zu 2500 Meter aufragenden Bergen, drehen dann ab, fliegen das Tal ein Stück zurück und biegen dann in das Siberia Valley ein. Dort sehen wir dann auch schon die Piste vor uns, auf der wir wenig später landen werden.

Nach der Landung begleitet Hamish uns drei, die wir nun die Wanderung machen wollen, zum Fluß und zeigt uns, wo wir diesen am besten queren können – denn eine Brücke gibt es hier nicht. Wir waren dementsprechend vorgewarnt; die beiden anderen haben sich wasserfeste Sandalen vom Veranstalter ausgeliehen, ich habe eh welche dabei und nutze daher meine eigenen. So beginnt unsere Wanderung mit einem erfrischenden Fußbad in dem hier etwa 30 bis 40 Meter breiten, dafür aber nur maximal knietiefen Fluss.

Der Abschnitt, den wir nun gehen werden, ist Teil des Gillespie Pass Circuit Track, einer mehrtägigen Wanderung, bei der man zunächst das nördlich von Makarora gelegene Young Valley hinaufgeht, dann den namensgebenden Pass überquert und in das Siberia Valley absteigt – meist mit einem Abstecher zum Gletschersee Crucible Lake, der sich wohl sehr lohnen soll –, bevor man dann über das Wilkin Valley den Endpunkt der Wanderung südlich von Makarora erreicht. Wir begegnen hier mehreren Wanderern, die ihre Tour abkürzen, indem sie sich entweder von der Piste, auf der wir gerade gelandet sind, per Flugzeug zurück nach Makarora bringen lassen, oder sich – wie wir – im Wilkin Valley vom Jetboat abholen lassen.
Zu Beginn ist das Tal noch sehr weit und wir gehen am Rand des Waldes durch die Wiesen. Dann wird das Tal deutlich schmaler und der Weg führt nun in den Wald hinein und auch ein Stück nach oben – nicht dramatisch viele Höhenmeter, sondern gut machbar, so wie der Weg insgesamt sehr gut zu gehen ist. Teile des Wegs hatten wir schon aus dem Flugzeug sehen können und nun sehen wir schon den nächsten Flug, der weitere Wanderer in das Tal bringt, die wir aber nicht zu sehen bekommen.

Schließlich erreichen wir das Wilkin Valley und ein Schild, dass es noch 20 Minuten bis zum Anleger seien. Dort angekommen, sehen wir eine ganze Reihe von Leuten, denn zum einen sind dort ein paar Wanderer, die sich wie geschrieben dort abholen lassen wollen, zum anderen einige Leute, die mit einem Packraft auf dem Siberia River unterwegs waren und sich nun ebenfalls per Jetboat nach Makarora bringen lassen. Kurz darauf erscheint das Jetboat dann auch und nimmt zunächst alle diese Leute mit. Wir drei hingegen sind deutlich zu früh dran und hätten uns eine Stunde länger Zeit lassen können. Umschwirrt von Hummeln und Sandflies vertreiben wir uns die Zeit, bis das Jetboat schließlich erneut kommt – drei Personen, die nur eine Jetboat-Tour machen, sind schon an Bord. Wir drei steigen zu und auf geht es mit einigen 360s über den Wilkin River zurück nach Makarora.

