Wie es angekündigt war, so kommt es manchmal auch: Mein erster Regentag auf dieser Reise. Ein paar Schauer gab es ja schon, aber einen verregneten Tag hatte ich bislang noch nicht – was schon außergewöhnlich ist. Und was macht man, wenn einem das Fiordland Regen bringt? Man geht in den Regenwald.

Meine erste Überlegung war, den Tag in Te Anau zu verbringen, wo ich ohnehin über Nacht bleiben will. Auch wenn Manapouri sehr schön liegt und ich den Ort mag, kann man dort nicht so wirklich viel machen. Es gibt The Church – ein Restaurant in der ehemaligen Kirche, wo ich gestern Abend gegessen habe –, das Cathedral Cafe – das zwischen der Kirche und der Tankstelle liegt; dort trinke ich aus nostalgischen Gründen einen Kaffee, denn vor dreißig Jahren habe ich dort, der damals einzigen Gastronomie im Ort, zu Abend gegessen –, einen Second-Hand-Laden und die Three Wee Bookshops. Letztere besuche ich, denn sie werden von Ruth Shaw betrieben, die hier früher mit ihrem Mann Bootstouren anbot, die ich leider damals nicht mitgemacht habe, und ein Buch geschrieben hat, das auch in deutscher Übersetzung erhältlich ist. Leider ist sie selber nicht da, aber ihre kleinen Bookshops sind einen Besuch werth.

Die Wee Bookshops in Manapouri

Im Gegensatz dazu ist in Te Anau richtig was los, obwohl auch das nur ein Nest mit knapp 3000 Einwohnern ist. In diesem Ort habe ich schon etliche Nächte verbracht und 2011 war das mein Basislager für diverse Wanderungen, die ich in der näheren und weiteren Umgebung gemacht habe und zwischen denen ich immer wieder in Te Anau war. Da die Fahrtstrecke dorthin nur etwa 25 km lang ist und der Regen gar nicht so stark, entscheide ich mich an der Rainbow Reach spontan zu einer Wanderung durch den Wald auf einem Stück des Kepler Track. Dieser ist ein dreitägiger Rundwanderweg, den ich schon zweimal gegangen bin und der – bei gutem Wetter – auf dem Teil der Strecke, den man üblicherweise in den ersten beiden Tagen geht, tolle Ausblicke bietet. Der dritte Tag führt dann durch einen märchenhaften Wald mit tollen Bäumen – sehr viele alte und mächtige Red Beeches darunter –, riesigen bemoosten Flächen und Farnmeeren.

Wald auf dem Kepler Track

Und genau dieses Stück gehe ich heute: Von der Rainbow Reach zur Moturau Hut am Lake Manapouri und wieder zurück. Ob der Regen nachgelassen hat oder ob der Wald einfach so dicht ist, dass der Regen nicht bis zu mir durchdringt, kann ich nicht sagen. Jedenfalls bekomme ich über lange Passagen gar keinen Regen ab. Erst an einem Aussichtspunkt auf ein Wetland und dann an der Moturau Hut sehe ich, dass es wieder oder immer noch regnet. Das Wetter ist jedenfalls diesem herrlichen Wald sehr angemessen und stellt überhaupt kein Problem dar.

Und nochmal Wald auf dem Kepler Track

Zurück an der Rainbow Reach komme ich noch mit einem Engländer ins Gespräch, der seit etlichen Jahren in Neuseeland lebt, früher aber mal in Gütersloh als Zivilangestellter für die Air Force gearbeitet hat. Anschließend setze ich mich ins Auto, fahre nach Te Anau und quartiere mich dort auf einem der Campingplätze ein. Dann ist erstmal große Wäsche angesagt. Außerdem erledige ich noch einen kleineren Einkauf im nahegelegenen Supermarkt. Nachdem ich meine Wäsche eingesammelt habe, will ich eigentlich im Ort etwas essen – im Olive Tree Cafe habe ich schon gegessen, als es noch nicht so hieß, aber auch bei meinen späteren Besuchen in Te Anau immer wieder. Daher wollte ich dort auch heute gerne hin, aber es regnet mittlerweile so stark, dass ich gar keine Lust verspüre, mich auf den Weg zu machen. Daher koche ich mir etwas in der Küche des Campingplatzes, schreibe noch ein wenig für den Blog und begebe mich dann ins Bett.

Lake Manapouri

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