Von Te Anau zum Moke Lake
Der Zeitpunkt ist gekommen, dass ich mich von Te Anau verabschiede. Zum Frühstück gehe ich ins Olive Tree Cafe, da ich es ansonsten zu deren Öffnungszeiten noch nicht dorthin geschafft habe. Und bislang habe ich immer, wenn ich in Te Anau war, dort mindestens einmal gegessen – sogar als es noch Jailhouse Cafe hieß. Frisch gestärkt mache ich mich auf den Weg an den nächsten See.

Wenige Kilometer östlich von Te Anau kommt der Abzweig zu den Mavora Lakes, an denen diverse Szenen aus dem Herrn der Ringe gedreht wurden und wo ich auch zunächst überlegt hatte, dort zu übernachten. Auf meiner Radtour vor 30 Jahren hatte ich diese Straße genommen – etwa 100 km auf Schotter – und an dem südlichen der beiden Seen übernachtet. Am Ende der Straße konnte ich dann mit dem Boot nach Queenstown weiterfahren; das geht mit dem Auto nicht, so dass ich die Straße von den Seen letztlich wieder zurückfahren müsste. Daher entscheide ich mich, auf dem normalen Highway – vergleichbar einer Landstraße bei uns – zu bleiben.
Ich fahre dabei einen kleinen Umweg über Lumsden – einfach, weil ich dort noch nie war und ich diese kleinen neuseelöndischen Orte irgendwie immer mag. Am ehemaligen Bahnhof, an dem schon seit über einem halben Jahrhundert keine Gleise mehr liegen, haben sie zwei Dieselloks und ein paar Waggons renoviert und ausgestellt, dazu die Überreste zweier Dampfloks. Der Ort war als Kreuzungspunkt mehrerer Bahnlinien anscheinend früher gar nicht so unbedeutend; aber die meisten Linien sind lange abgerissen und die wenigen verbleibenden dienen dem Transport von Gütern oder Touristen. In die letztgenannte Kategorie gehört auch der Kingston Flyer, ein renovierter, von einer Dampflok gezogener Zug, der sonntags ein 14 km langes Teilstück der Stecke bedient, die früher das Südende des Lake Wakatipu über Lumsden mit Invercargill verband.

Nach einem kurzen Stopp in Kingston – als ich dass letzte Mal hier war, war der vorherige Betreiber pleite und es war vollkommen unklar, wie es mit dem Flyer weitergehen würde – fahre ich die grandiose Strecke am Ufer des Lake Wakatipu entlang nach Queenstown. Dieser Ort – mit knapp 30.000 Einwohnern der mit Abstand größte in der gesamten Region – ist das Ziel vor allem von Touristen, die auf Action stehen (Bungee-Jumping wurde hier erstmals vermarktet, aber es gibt Aktivitäten ohne Ende), und der Reichen und Schönen – über ein Viertel der Häuser ist de facto unbewohnt, weil sie nur für ein paar Tage im Jahr als private Ferienwohnung genutzt werden.

Die Lage von Queenstown ist in der Tat sehr schön, aber mir ist in dem Ort einfach zu viel los. Für mich gibt es nur zwei Gründe, hierher zu kommen: Weil man durch den Ort hindurch muss, wenn man weiter nach Glenorchy fahren will, und weil es gleich am See Patagonia Chocolates gibt – ein sehr gutes Eiscafé, dessen Stammhaus im nicht weit entfernten Arrowtown liegt. Ein solches gönne ich mir dann auch und verzehre es gleich vor dem Café am Seeufer. Während ich dort sitze, kommt auch gerade der Ausflugsdampfer, der hier auf dem See verkehrt, an den Anleger in Queenstown zurück – mit diesem Boot bin ich seinerzeit mit meinem Fahrrad vom Ende der oben erwähnten Straße zu den Mavora Lakes hier angekommen.

Ich laufe noch ein bisschen im Ort herum, mache mich dann aber bald auf den Weg zum völligen Kontrastprogramm, nämlich dem Moke Lake. Nur wenige Kilometer von Queenstown entfernt zweigt die Straße dorthin ab – wieder einmal eine geschotterte. An ihrem Ende liegt ein weitläufiger Campingplatz, auf dem doch einigermaßen viel los ist – viele sind Familien aus der näheren und weiteren Umgebung, die ihr Wochenende hier verbringen.

