(Fotos folgen später)

Der erste Tag in Christchurch beginnt mit einem leckeren Frühstück im Beat Street Cafe, in dem ich vor 8 Jahren ebenfalls gefrühstückt habe – ich habe ja schon angedroht, dass das hier teilweise auch eine Reise in die Vergangenheit für mich ist, vor allem in Christchurch, aber auch an einigen anderen Orten, wie Ihr noch leidvoll erfahren werdet. Dieses Café ist aber unabhängig davon ein sehr sympathischer kleiner Laden, der außerhalb der Innenstadt liegt und in erster Linie von Locals besucht wird. Es war mir seinerzeit ebenso wie die Little High Eatery, wo ich gestern Abend aß, von Janet, der Managerin des Foley Towers, empfohlen worden.

Dann beginne ich mit der Erkundung der Stadt. Bereits hier, an der Barbadoes Street und der benachbarten Madras Street, sind komplett neue Wohnviertel mit Eigentumswohnungen und Reihenhäusern entstanden. Jeder Block für sich ist offenbar von einem Bauunternehmer sehr einheitlich gestaltet worden und es sind reine Wohnviertel ohne viel Infrastruktur. Insgesamt macht das Ganze aber schon einen recht guten Eindruck – die Wohnungen und Häuser sind sicher auch nicht billig. Große Flächen sind allerdings auch noch nicht bebaut und einige Blocks sind noch im Bau befindlich. Der Wohnraum wird anscheinend auch gebraucht, denn Christchurch scheint ganz gut zu wachsen und nun mehr Einwohner zu haben als vor dem Beben.

Mein Weg führt mich am Margaret Mahy Playground vorbei, dem größten Spielplatz der Südhalbkugel, so wird behauptet, aber aus meiner Sicht vor allem deshalb besonders, weil die Gestaltung wesentlich von Kindern bestimmt worden ist. Weiter geht es am Avon River bis zur Town Hall, einem brutalistischen Bau aus den frühen 1970ern. Auch dieses Gebäude war durch das Beben schwer beschädigt, so dass es Überlegungen zum Abriss gab. Es wurde dann aber doch renoviert – und ich hatte das Glück, sogar einen Blick in die wegen ihrer Akustik bekannten Konzerthalle werfen zu dürfen.

Weiter geht es über einen neu gestalteten Platz, auf dem bis 2011 ein ziemlich klobiges Hotel stand und der nun zu einer Art Eingangsportal in die Stadt wurde. Nach dem Abriss des Hotels haben sich hier diverse Gapfiller-Aktivitäten abgespielt, so nannte man die Bemühungen, Leben und Kultur in die gebeutelte Stadt zurückzubringen. Über den Victoria Square, wo gerade die Vorbereitungen laufen für das chinesische Neujahrsfest, das hier am Wochenende gefeiert wird, gehe ich weiter in Richtung Cathedral Square, wo mit dem Te Pae Convention Centre und der neuen Bibliothek Turanga zwei sehr gelungene Neubauten entstanden sind.

Der Cathedral Square, das eigentliche Herz der Stadt, zeigt allerdings auch die Probleme, die nach wie vor bestehen. Noch gibt es große Freiflächen, von denen zumindest ich nicht weiß, was dort passieren wird; ein anderes sehr hohes Gebäude (für Christchurchs Verhältnisse, wo es für Neubauten strikte Obergrenzen gibt, um mögliche Schäden und Opfer bei Erdbeben zu minimieren) wird gerade renoviert. Und neben all dem steht die Ruine der Kathedrale, deren Geschichte seit dem Erdbeben ein eigenes Kapitel wert ist, das ich Euch an dieser Stelle ersparen möchte.

Anschließend tätige noch ein paar erste Einkäufe, mit denen ich mich zurück zum Hostel begebe. Dort treffe ich Janet, mit der ich mich eine ganze Weile über alles mögliche unterhalte: Wie es ihr in den letzten Jahren ergangen ist; wie sich das Foley Towers und die Tourismus- und Hostelszene durch Covid verändert haben; wie sich Land und Leute durch Covid verändert haben. Damit, wie sich Christchurch verändert hat, ist sie sehr glücklich, wohl wissend, dass nicht alles toll ist, aber die Entwicklung insgesamt sieht sie sehr positiv – was ich nach meinem Eindruck von 2018 und auch jetzt sehr gut nachvollziehen kann.

Ich mache dann noch einen Abendspaziergang zur Transitional Cathedral und dem zumindest vom Gebäudevolumen her größten Neubau der Stadt: dem neuen Stadion, das im April eröffnet werden soll. Zum Abendessen führt es mich in das ganz in der Nähe gelegene Dux Central, die Nachfolgeeinrichtung des legendären Dux de Lux, das bis zum Beben im Arts Centre untergebracht war – dazu morgen mehr.

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