Heute steht der erste Höhepunkt auf dem Programm. Zwar ist für den Morgen noch viel Bewölkung mit Gelegenheit zu Schauern angesagt, aber zum Nachmittag hin soll es besser werden. So entscheide ich mich, die Wanderung zu den Sealy Tarns anzugehen, kleinen Tümpeln auf halber Höhe eines Bergs, der gegenüber eines großartigen Bergpanoramas liegt – so sich dieses denn zeigt. Ich habe diese Wanderung 2013 schon einmal gemacht – bei wirklich grandiosem Wetter.

Wer fit ist, kann die Wanderung von dort noch bis zur Mueller Hut weiter empor wandern, von der man noch bessere Aussichten hätte; bis heute ist die Hütte selber allerdings wegen Wartungsarbeiten geschlossen, so dass man Hin- und Rückweg am selben Tag machen müsste – was machbar ist, wenn man richtig fit ist. Für mich wird aber auf der halben Höhe Schluss sein, genau wie seinerzeit. Da das Wetter etwas wackelig ist, packe ich meinen Rucksack für alle Eventualitäten: Die Softshell gegen Wind und leichten Regen, aber auch die Hardshell, falls es stärker regnen sollte. Und natürlich einen Schokoriegel, falls Dementoren unterwegs sein sollten.

Mount Sefton in Wolken

Die Wanderung beginnt am Parkplatz am White Horse Hill, wo es auch einen Campingplatz gibt. Auf diesem habe ich schon vor 13 Jahren übernachtet, aber auch schon 1999 mit Kikmann eine wahrhaft stürmische Nacht erlebt: Fallwinde mit über 100 km/h kamen damals von den Bergen herunter und haben uns kaum ein Auge zumachen lassen. Unsere Zeltnachbarn damals hat es allerdings böse erwischt, denn sie hatten einen Wassereinbruch und mussten die restliche Nacht im Shelter verbringen. Unser Zelt hingegen hielt stand und war gut aufgebaut. Von hier aus geht es nun also auf den Berg, der im Foto oben am linken Bildrand zu sehen ist. Der Weg beginnt für die ersten 100 Meter flach, aber danach gibt es nur noch eine Richtung: nach oben. 2200 Stufen sollen es bis zu den Sealy Tarns sein. Wäre der Weg nicht auf diese Weise präpariert, würde man schon klettern müssen. So aber ist er vergleichsweise einfach zu gehen – also technisch gesehen. Die Anstrengung des kontinuierlichen Aufstiegs bleibt natürlich.

Mount Cook Village aus anderer Perspektive

Mit jeder Windung des Wegs gewinnt man so einiges an Höhenmetern – und die Aussichten verändern sich permanent. Vor allem gibt es schöne Blicke zurück ins Tal, in dem sich der Startpunkt des Tracks und in der Ferne auch das Mount Cook Village befinden. Diese Aussichten sind immer eine willkommene Entschuldigung für eine kurze Pause, um wieder zu Atem zu kommen. Als ich mich bei einem dieser Stopps mit einem älteren niederländischen Paar unterhalte, spricht uns eine junge Frau an, ob wir schon auf dem Rückweg seien – in dem Fall hätte sie uns um Wasser gebeten, da sie selber nur wenig dabei hat. Da sie mir irgendwie bekannt vorkommt, spreche ich sie einem weiteren Stopp kurz danach an: Es ist eine Deutsche namens Ann-Kathrin, besser bekannt in den sozialen Medien als „Affe auf Bike“. Den weiteren Weg gehe ich mit ihr und ihrem Wanderpartner Robin (rob1_ms auf Instagram; gute Fotos dort) aus Frankreich gemeinsam.

Mount Sefton nun von den Sealy Tarns aus

Nach knapp zwei Stunden ist der Aufstieg geschafft und wir haben die Sealy Tarns erreicht. Zwar hüllen sich die Berge um uns noch in Wolken und der Mount Cook ist nicht einmal zu erahnen, aber die Landschaft ist dennoch grandios. so setzen wir uns dort oben mit vielen anderen, die die Wanderung ebenfalls machen, auf die Felsen und genießen die sich durch das Spiel der Wolken permanent ändernde Sicht. Mit Unterhaltungen mit diversen anderen Leuten dort oben und dem Verzehr eines Schokoriegels vergeht die Zeit recht schnell und mehr und mehr reißt die Bewölkung auf, bis schließlich auch der Mount Cook zwischen den Wolken hervor lugt. Mit seinen gut 3750 Metern Höhe überragt er uns noch einmal um lässige zweieinhalb Kilometer. Zu seinen Füßen sehen wir den Hooker Glacier und den dazugehörigen See, zu unseren den Mueller Glacier Lake mit seiner gewaltigen Seitenmoräne. 

Panorama mit Mount Cook

Nach einer Stunde an den Sealy Tarns machen wir uns an den Abstieg, den wir in einer Stunde bewältigen. Danach gönnen wir uns jeder einen Burger im Mountaineer‘s Cafe. Wie sich mittlerweile heraus gestellt hat, übernachten die beiden ebenfalls in Glentanner, so dass wir uns dort wieder treffen und nach einem Fotoshoot, bei dem Robin ein sehr schönes Foto von Ann-Kathrin auf ihrem Motorrad macht, den Abend mit Tee und quatschen verbringen.

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