Entlang der Küste Richtung Süden
Bei sehr wechselhaftem Wetter – immer wieder folgt ein Schauer auf ein Stückchen blauen Himmel – setze ich meinen architektonischen Stadtrundgang fort. Gestern Abend lagen die Gebäude auf der östlichen Seite der Hauptstraße in schönem Licht, heute die auf der westlichen – zumindest immer wieder kurzfristig in den Regenpausen. Einen längeren Schauer lasse ich passieren, während ich mir einen Kaffee gönne, bevor ich meinen Rundgang dann abschließe.
Ganz ohne Natur will ich aber Oamaru dann auch nicht verlassen. Und so mache ich auf den kurzen Weg zum Bushy Beach, einem Strand südlich des Ortes. Von einem Aussichtspunkt hoch über dem Strand hat man eine sehr schöne Aussicht auf diesen Küstenabschnitt. Mit Glück kann man hier ebenfalls Pinguine sehen, und zwar die endemischen (und wohl seltenste Pinguinart, wenn ich mich nicht irre) Yellow-Eyed Penguins. Allerdings brauche ich mir um diese Uhrzeit – es ist etwa halb drei – da keine Hoffnung zu machen. Denn auch wenn diese Pinguine früher an Land kommen als die kleinen blauen, geschieht auch das erst ein bis zwei Stunden vor Beginn der Dämmerung.

Wer hingegen auch tagsüber gerne am Sandstrand in der Sonne herumlungert, sind Seebären (New Zealand Fur Seals) und Seelöwen (Hooker‘s Sea Lions). Einige der ersteren kann ich vom Ausguck aus erspähen. Da man den Strand bis 15 Uhr noch betreten darf – danach ist das nicht mehr erlaubt, um die Tiere, wie beispielsweise die dann irgendwann an Land kommenden Pinguine, nicht zu stören – mache ich mich auf den Weg hinunter. Dort kommt mir eine junge Frau entgegen, die mich warnt, dass unten, genau am Ende der Stufen, die an den Strand führen, ein Seebär liegt. Sie ist daher lieber umgekehrt – und ich gehe zwar noch soweit, dass ich ihn auch sehen kann, kehre dann aber auch um. Denn über ihn zu klettern traue ich mich nicht – man soll mindestens 10 Meter Abstand zu ihnen halten. Damit endet dann mein Strandbesuch.

Mein nächster Stopp auf der Fahrt in Richtung Süden gilt den Moeraki Boulders. Dies sind Steinkugeln mit einem Durchmesser von bis zu 180 cm, von denen etliche bei dem Ort Moeraki an der Küste liegen. Sie bestehen aus hartem Gestein, das sich in einem langen Prozess – ähnlich wie bei einer Perle – zu Kugeln geformt hat, die in weicheres Gestein oder Sand eingebettet sind. Etliche dieser Kugeln liegen hier im Sand, wie viele auch noch in den Dünen verborgen sind, weiß man nicht – einzelne lugen jedenfalls schon hervor und werden wohl auch irgendwann vom Meer freigelegt. Einer der Gründe, warum ich mich in Oamaru noch so lange aufgehalten habe, ist, dass ich die Boulders hier bei passendem Wasserstand sehen kann; die Gezeiten für diesen Strand habe ich daher vorab nachgeschaut.

Von Moeraki aus ist es dann nicht mehr weit bis zu meinem heutigen Campingplatz in der Trotters Gorge. Das ist nun meine erste „basic campsite“ des DOC, was bedeutet, dass es hier ein Plumpsklo, ein paar Tische und Bänke und sonst vor allem viel Natur gibt. Fließend Wasser gibt es auch: aus dem Trotters Creek. Außer mir sind hier noch zwei Locals mit ihrem Hund. Nach einer kurzen Erkundung der Umgebung bereite ich mir mein Abendessen zu, so dass ich nun erstmals den Gaskocher nutze, der bei meiner Raumkapsel in der Miete enthalten ist. Die Bedienung ist im Prinzip sehr einfach, allerdings tut es der eingebaute Piezo-Zünder nicht; zum Glück habe ich aber ein Feuerzeug dabei, so dass die Küche nicht kalt bleiben muss. Ich mache mir das Ganze allerdings sehr leicht, indem ich nur ein Fertiggericht – Kürbis-Linsen-Suppe – aufwärme. Die ist sogar recht lecker und mit zwei Scheiben Brot dabei auch sättigend.
