Episode VIII: Rückkehr zur Südinsel
Es ist wieder soweit. Dreißig Jahre nach meiner ersten Reise nach Neuseeland reise ich zum nunmehr achten Mal dorthin. Es wird eine Reise sein, die von so mancher Erinnerung geprägt sein wird, aber mich nach allem, was ich aus der Ferne mitbekommen habe, in ein verändertes Land bringen wird.
Beginnen möchte ich mit zwei Zitaten aus dem ersten Absatz zum Blog meiner letzten Reise. Das erste: „So war das eigentlich nicht geplant. Ich hatte eigentlich gedacht, erst 2021 wieder nach Neuseeland zu fliegen. Aber nun bin ich ja schon seit fünf Jahren nicht mehr auf der Südinsel gewesen, nachdem ich mich beim letzten Mal auf die … Nordinsel beschränkt hatte.“
Das sagt schon so einiges über die letzte wie auch die bevorstehende Reise. Denn leider musste ich aus privaten Gründen meine Reise nach nur einer Woche abbrechen. Daraufhin lebte natürlich einige Zeit später der ursprüngliche Plan für 2021 wieder auf – aus dem dann aber wegen der Pandemie nichts wurde. Deshalb und aus weiteren privaten Gründen habe ich meinen nächsten Neuseeland-Trip dann immer weiter verschoben, bis es nun endlich wieder soweit ist. Und so sind nunmehr ganze dreizehn Jahre vergangen, seit ich die Südinsel bereist habe – wenn man die eine Woche 2018 nicht mitzählt.
Das zweite Zitat: „Einen ungefähren Plan habe ich im Grunde nur für grob die erste Hälfte der Reise, bei der ich mich wieder auf die Südinsel beschränken werde. Ich will meine Lieblingsgegend – den Südwesten – mit viel Muße erkunden. Es gibt da nichts, was ich unbedingt sehen will, und werde es daher ganz entspannt angehen.“
Und das gibt dann auch schon das Programm für dieses Mal so ungefähr vor. Ich werde mich wieder auf der Südinsel beschränken. Mein Plan reicht bisher tatsächlich sogar nur für die ersten vier Tage, die ich in Christchurch verbringen werde. Danach geht es dann irgendwie in Richtung Südwesten – möglicherweise über Lake Tekapo und Aoraki/Mount Cook, sicher aber über die Catlins und entlang der Southern Scenic Route ins Fiordland. Alles weitere entscheidet sich dann vor Ort je nach Wetter und Gelegenheit. Einen kleinen Strich durch die Rechnung könnte mir mein linkes Knie machen, das seit kurzem etwas Probleme macht – aber schauen wir mal. Reisen werde ich erstmals in einem Mini-Wohnmobil – einem mit Schlaf- und Kochgelegenheit ausgestatteten Toyota Estima, der sogar über eine Toilette verfügt, so dass ich damit auch in freier Wildbahn übernachten darf. In wie weit ich das tatsächlich nutzen oder doch eher auf Campingplätze gehen werde, muss ich dann mal schauen; zumindest halte ich mir so alle Optionen offen.
In gewisser Weise ist es eine Reise der Jubiläen für mich. Das erste Mal habe ich Neuseeland dreißig Jahre zuvor besucht; damals bin ich von Christchurch aus mit Zug und Bus nach Invercargill gefahren, um von dort mit dem Fahrrad mehr oder weniger immer die linkeste Straße, die keine Sackgasse ist, bis nach Picton zu fahren und dann auf der Nordinsel noch einige kleinere Touren zu machen. Auch damals schon war nur wenig geplant und vieles kam anders als geplant – wen das interessiert, der findet hier im Blog auch einen Reisebericht von damals (Links zu allen bisherigen Neuseelandreisen sind unten unter “Archiv” zu finden).
Vor fünfzehn Jahren war ich dann wieder einmal auf der Südinsel und verbrachte damals nur eine einzige Nacht in Christchurch, bevor ich mich auf den Weg in den Süden machte. Das erwies sich als riesiger Glücksfall für mich, denn gut 24 Stunden nach meiner Weiterreise von dort ereignete sich das schwere Erdbeben, das große Teile der Stadt zerstörte. Bei meinem nächsten Besuch zwei Jahre später waren Teile der Innenstadt immer noch gesperrt, aber 2018 konnte ich dann einiges vom begonnenen Wiederaufbau sehen. Dass der nicht unproblematisch verlaufen ist, wird hier sicher noch Thema sein, aber es wurde auch vieles zum Positiven verändert – so mein Eindruck von 2018, aber auch von dem, was ich über das Internet so sehe und lese. Insofern bin ich sehr gespannt. Abgeschlossen ist der Wiederaufbau noch lange nicht – die Ruine der Kathedrale im Stadtzentrum führt das deutlich vor Augen – und man fragt sich, warum nach 15 Jahren noch so vieles nicht wieder oder neu aufgebaut ist. Allerdings erinnere ich mich an ein Interview aus dem Jahr 2011 mit einem Experten für solche Szenarien; er sagte damals, dass man bei einem optimalen Verlauf mit etwa dreißig Jahren rechnen müsse, bis eine Stadt mit derartigen Zerstörungen wieder als weitestgehend intakt angesehen werden könne.
Als ganz kleines Jubiläum kann man dann noch anfügen, dass meine letzte „richtige“ Neuseelandreise dann zehn Jahre zurückliegt. Denn die aus dem Jahr 2018 kann man ja eigentlich nicht so recht zählen. Verändert hat sich das Land in dieser Zeit allerdings schon sehr deutlich. In wie weit das Attentat auf zwei Moscheen in Christchurch im März 2019, die Pandemie, die Unzufriedenheit mit der wirtschaftlichen Situation und der Politik die Stimmung im Land verändert haben, werde ich wohl merken, wenn ich dort bin. Auf meine Reise ganz konkret bezogen, werde ich mir auf jeden Fall Gedanken zu den Unterkünften machen müssen. Denn die Hostels, in denen ich bislang immer sehr gerne abgestiegen bin, gibt es zu großen Teilen nicht mehr – und damit meine ich nicht die einzelnen Hostels, sondern die entsprechende Infrastruktur als Ganzes. So gibt es beispielsweise den Jugendherbergsverband YHA New Zealand und auch das Netzwerk der Budget Backpacker Hostels (BBH) nicht mehr. Einzelne Hostels gibt es aber wohl durchaus noch und auch ein kleines Netzwerk unter dem Namen Haka House. Ich bin gespannt.
Einen kleinen Trost aber habe ich für den Start: Ich werde in Christchurch im Foley Towers unterkommen können, wo ich seit 1999 immer meine Nächte in Christchurch verbracht habe. Eigentlich gibt es auch das nicht mehr als Backpacker Hostel, aber Janet (der Chefin dort) sei Dank kann ich dort übernachten.
