Von Peel Forest nach Fairlie
Den Vormittag verbringe ich mit drei weiteren kleinen Spaziergängen im Peel Forest. Die ersten beiden beginnen gleich in der Nähe des Campingplatzes, für den dritten muss ich erst ein Stückchen in eine Seitenstraße nach Blandswood fahren.

Der erste ist der Kahikatea Walk. Diese Bäume heißen auf englisch auch White Pine und gehören zu den Steineiben. Sie sind die höchsten Bäume, die in Neuseelands Wäldern zu finden sind – bis zu 60 Meter werden sie bei einem Durchmesser des Stamms bis über 2 Meter. Damit sind die dicksten Exemplare deutlich schlanker als die dicksten Totara, die zur selben Familie zählen. Wie die meisten anderen Baumarten in Neuseeland verlieren die Bäume ihre Blätter im Herbst nicht, sind also das ganze Jahr durch belaubt. Ihr leicht zu bearbeitendes weiches Holz hat sie bei den Pakeha sehr beliebt gemacht, um daraus Kisten und Möbel herzustellen. Sie wachsen außerdem in niedrigen Lagen, wo sie leicht zugänglich sind und wo sich das Land außerdem gut für Schafzucht eignet. Diese Umstände haben dazu geführt, dass Kahikatea großflächig abgeholzt oder niedergebrannt wurden. Auch hier wurden früher Bäume gefällt, wie die ehemaligen Sägegruben zeigen, die hier neben dem Wanderweg zu finden sind.

Der nächste Spaziergang führt mich zum Rangitata, einem der großen Braided River, die in einem sehr breiten Flussbett von den Südalpen nach Osten fließen. Im Sommer und Herbst winden sich neben dem Hauptstrom zahlreiche Stränge durch das Geröll, aber im Frühjahr können hier gewaltige Wassermassen fließen. Auf dem Weg zum eigentlichen Fluss muss ich erst einen kleinen Nebenarm über- bzw. durchqueren, dann durch Geröll und Dünen. Der Weg zurück ist dabei gar nicht so ganz einfach zu finden – die Stelle zum Durchqueren des Nebenarms ist die einzige, die markiert ist. Zum Glück habe ich mir einige Wegpunkte gemerkt und folge zum guten Teil meinen Spuren zurück.

Dann folgt der letzte Spaziergang in der Gegend hier, der Emily Falls Track. Vom Startpunkt bis zum Wasserfall brauche ich eine gute Dreiviertelstunde. Dort halte ich mich dann ein Weilchen auf, um ein schönes Foto von dem Fall zu machen, dessen Wasser sehr hübsch zunächst eine größere Stufe fließt, bevor es aus dem Pool darunter in einer Folge sehr flacher Stufen weiter läuft. Eingebettet ist das Ganze in einen schönen Wald – und wieder einmal bin ich hier fast alleine unterwegs: Lediglich ein einziges Ehepaar ist mir auf dem Weg begegnet; sie waren bereits auf dem Rückweg.

Nachdem ich denselben ebenfalls hinter mich gebracht habe, verlasse ich den Peel Forest. Einen Zwischenstopp lege ich in Geraldine ein, mit immerhin gut 3000 Einwohnern der größte Ort, durch den ich seit Christchurch komme. Gleich am Ortseingang gibt es einen „Farmshop & Cafe“ – früher wäre so etwas wohl eher ein Tearoom gewesen, aber in den letzten 30 Jahren hat sich die Kaffeekultur in Neuseeland deutlich verbessert, was sich nicht nur im fast überall erhältlichen Flat White zeigt. Einen solchen gönne ich mir hier dann auch – und dazu meinen ersten Pie dieser Reise: Steak and Cheese. Die Pie-Kultur hat sich erfreulicherweise gehalten.

Weiter geht die Reise bis zu meinem heutigen Ziel, dem Ort Fairlie, der keine 1000 Einwohner hat. Dieser ist von Osten kommend der erste Ort des Mackenzie Basin, einer Hochebene, die nach einem Schafdieb benannt ist, der dort „seine“ Schafe hielt, als in der Gegend noch niemand dauerhaft lebte. Nach seiner Verhaftung erkannten auch andere, dass sich die Gegend gut für Schafzucht eignet und so entstanden hier zahlreiche, oft sehr große Farmen. Dass ich hier für zwei Nächte bleibe, liegt eigentlich nur daran, dass ich in Lake Tekapo, meinem Ziel für morgen, keinen Stellplatz auf dem Campingplatz bekommen habe. Der hiesige ist aber nett und ein guter Ausgangspunkt für den morgigen Ausflug, für den ich mich im lokalen Eat Cafe stärke. Das dort servierte Speights ist ok, aber kein Vergleich zu den leckeren Bieren, die ich in Christchurch getrunken habe.
