Über die Inland Scenic Route nach Süden
Heute geht es auf die Fahrt. Ich verlasse Christchurch damit genau 15 Jahre nach dem schweren Beben, das – wie Ihr in den letzten Beiträgen lesen konntet – die Stadt stark verändert hat. Bei allen Schwierigkeiten denke ich, dass man hier sehr viel richtig gemacht hat und Christchurch (soweit aufgebaut) heute schöner ist als zuvor. Diesen Eindruck teilen auch viele Locals, mit denen ich mich hier unterhalten habe.
Ich habe alle meine Dinge im Auto verstauen können und auch durchaus noch Platz. Die größere Herausforderung wird wohl sein, dass ich mich erinnere, was ich wohin gepackt habe und ob ich alles so verstaut habe, dass ich halbwegs vernünftig an die Sachen dran komme. Es gibt im Wesentlichen zwei größere Kästen, von denen eine von innen zugänglich ist, die andere von der Heckklappe aus, die man dazu aufstellen muss. In letzterer befinden sich schon sämtliche Küchenutensilien, die im Mietpreis inbegriffen sind, sowie der Minikühlschrank. In ersterer befindet sich ein Schlafsack, den man zusätzlich zur Bettdecke verwenden kann, falls es sehr kalt wird, sowie ein kleiner Mülleimer. Wer hier mit einem Hartschalenkoffer oder -trolley anreist, hat es sicher nicht leicht, mit dem verfügbaren Platz auszukommen.
Nach dem Frühstück – noch einmal im Beat Street Cafe – fahre ich vom Hostel aus als erstes zu einem nahe gelegenen Supermarkt, wo ich mich mit allem eindecke, was ich zu brauchen glaube. Nachdem auch diese Dinge verstaut sind, geht es dann wirklich los. Die Fahrt durch die Vororte von Christchurch ist dann wirklich nicht spannend und zieht sich ganz schön. Dann aber ist der Highway in Richtung West Coast erreicht, dem ich aber nur wenige Kilometer folge, bevor ich in Richtung Süden abbiege.

Wenn man von Christchurch in Richtung Süden fahren will, bieten sich zwei Routen als Alternativen an. Die schnelle Verbindung ist der State Highway 1, der parallel zur Ostküste verläuft – mehr oder weniger weit von der Küste entfernt und hier in der Region durch weites, flaches und nicht sonderlich spannendes Flachland. Vor 15 Jahren bin ich diese Strecke gefahren, weil ich recht zügig nach Dunedin wollte. Dieses Mal wähle ich den SH 77 und dann 72, die zumindest abschnittsweise näher am Vorgebirge der Southern Alps entlang führen.

Zwischendurch mache ich nur einen kurzen Stopp, bevor ich dann die Rakaia Gorge erreiche. Der Rakaia River ist einer der großen „braided river“, die nach der Schneeschmelze und nach starken Regenfällen sehr viel Wasser führen, um diese Jahreszeit aber in der Regel in viele Arme zerfallen, die sich wie die Strähnen eines Zopfs umeinanderwickeln. Hier an der Rakaia Gorge beginnt dieser braided river gerade, während der Fluss oberhalb durch eine mehr oder weniger enge Schlucht fließt. An dieser Stelle mache ich einen ersten Spaziergang bis zum lower gorge viewpoint – man könnte noch weitergehen, aber ich will ja noch ein Stück weiter mit dem Auto fahren.

Also kehre ich um und fahre bis zum nächsten dieser Flüsse, dem Rangitata. Direkt hinter diesem biege ich auf eine Seitenstraße zum Peel Forest ab. Dort habe ich mir für zwei Nächte einen Stellplatz reserviert. Der sehr schön gelegene Campingplatz bietet ein paar Annehmlichkeiten, wie ein Gebäude mit Küche – sogar WiFi gibt es hier zu meiner Überraschung –, Toiletten und Duschen. Hier ist recht wenig los, nicht einmal ein Viertel der Stellplätze ist belegt. Meinen Platz finde ich recht schnell, parke dort meinen Wagen und richte mich so ein, dass ich nachher schlafen kann – was ich nach dem Abendessen dann auch tue.

