Von der Otago Peninsula nach Papatowai
Von Portobello aus fahre ich bis an das Ende der Otago Peninsula, zum Taiaroa Head in das Royal Albatros Centre. Dort befindet sich die einzige Brutkolonie von Royal Albatrosses auf einer bewohnten Insel. Die einzigen anderen solcher Kolonien befinden sich auf zwei kleineren der Chatham Islands, die noch einmal gut 1000 km östlich von Neuseelands Südinsel im Pazifik liegen.

Schon vom Parkplatz aus bzw. von einer von dort auf kurzem Weg zu erreichenden Aussichtsplattform sehe ich zwei oder drei Albatrosse elegant durch die Lüfte gleiten. Ich stehe nun vor der Frage, ob mir das Spektakel hier reicht oder ob ich eine einstündige bezahlte Führung mitmqche, bei der man auch die andere Seite der Inselspitze zu sehen bekommt und wo die Nester der Albatrosse sich befinden. Nach kurzem Zögern entscheide ich mich dafür. Die erste Hälfte besteht aus einem Vortrag und einem kurzen Film, bei dem man viel über die Albatrosse und deren Verhalten und Leben lernt. Danach geht es zu einem Aussichtspunkt, von dem aus drei erwachsene Albatrosse mit ihrem Nachwuchs gut zu sehen sind. Da es ziemlich windig ist, fühlen sich diverse von den anderen Albatrossen gerade ziemlich wohl in der Luft und so ist hier ordentlich Flugverkehr, wobei manche der Vögel in sehr niedriger Höhe über unseren Unterstand fliegen. Drei Vögel sehen wir auch landen – zwar nicht gerade elegant, aber doch deutlich besser als bei Bernhard und Bianca seinerzeit. Der einzige Wermutstropfen ist, dass wir das Geschehen nur durch eine Glasscheibe beobachten können, um die nistenden Vögel nicht zu stören. Im Anschluss gehe ich noch einmal auf die offene Plattform beim Parkplatz und kann da noch einige weitere Albatrosse im Flug sehen – bei dem Wind ist es allerdings auch gar nicht so einfach, Fotos zu machen, da die Böen einem immer wieder das Objektiv verreißen.

Ich verlasse dann die Halbinsel und besuche als nächstes den Tunnel Beach südlich von Dunedin. Das ist ein imposante Stück Steilküste, wo interessante Steinformationen den anbrausenden Wellen trotzen. Das Wasser hat hier im Lauf der Zeit hübsche Gebilde geschaffen, darunter auch einen Tunnel durch einen vorgelagerten Felsen. Dem aber verdankt der Strand den Namen gar nicht, sondern der Tatsache, dass man den „Strand“ – eigentlich eine an drei Seiten von Felswänden umgebene Ansammlung von Steinen – nur durch einen Tunnel erreicht, in den Treppenstufen geschlagen wurden.

Bei Balclutha beginnen dann die Catlins, eine Landschaft, die den Südosten der Südinsel umfasst. Auch wenn diese Gegend schon lange kein Geheimtipp mehr ist, gehört sie nach wie vor zu den weniger bereisten, was vor allem daran liegt, dass sie doch etwas abseits der „wichtigsten“ Sehenswürdigkeiten liegt und daher für viele einen Umweg bedeutet, den man vor allem bei knapper Reisezeit lieber auslässt. Dabei haben die Catlins eine Menge zu bieten – und der heutige Tag bietet einen Vorgeschmack mit dem Nugget Point, einer Landspitze, auf der in malerischer Umgebung ein Leuchtturm steht. Von dort oben hat man einen herrlichen Ausblick auf eine Ansammlung von Felsen – die Nuggets –, die unterhalb der Steilküste in das Meer hinausweisen. Im Licht des späten Nachmittags sieht das ziemlich gut aus. Wer möchte, könnte hier auch noch Robben und möglicherweise Pinguine gucken gehen, aber das lasse ich bleiben.

Meine Reise für heute endet auf dem Papatowai Campground, einer Campsite des DOC in der Kategorie „Standard“, also mit Amenities Block mit Toiletten mit Wasserspülung, einem Aufenthaltsraum bzw. Küche mit Spülen, aber ohne Kocher oder irgendwelches Küchenequipment. Ich benutze hier nun zum zweiten Mal den Kocher, der zu meinem Raumschiff gehört – da der portabel ist, koche ich nicht draußen am Auto, sondern in der Küche und esse anschließend an einem der Tische, die vor dem Amenities Block stehen. Ich geselle mich dort zu einem anderen Deutschen etwa meines Alters, der ebenfalls schon mehrfach in Neuseeland war.

