Mein zweiter Tag in den Catlins ist vor allem den Wasserfällen gewidmet, aber auch ein paar Tierbeobachtungen stehen auf dem Programm – leider nicht alle erfolgreich.

Purakaunui Falls

Los geht es mit den Purakaunui Falls, für die ich ein Stück zurück in die Richtung fahren muss, aus der ich gestern gekommen bin. Ich habe diesen Wasserfall auch deshalb als ersten ausgewählt, weil er sehr bekannt ist und – für die Catlins – ziemlich viele Leute anzieht. Daher versuche ich, einigermaßen früh dort zu sein. Und tatsächlich stehen nur zwei andere Autos auf dem Parkplatz, als ich dort ankomme. Der kurze Weg zu dem Wasserfall ist schnell zurückgelegt und nach kurzem haben die andere Besucher auch schon wieder verlassen und ich habe ihn für eine Viertelstunde ganz für mich allein, bis dann die nächsten Besucher kommen. So kann ich die Zeit in aller Ruhe für zwei schöne Fotos nutzen, was dann später etwas schwieriger wird, weil es immer Leute gibt, die ein Foto von sich möglichst nah vor dem Wasserfall haben wollen.

Strandtag einer Seelöwenfamilie

Bevor ich mich auf den Weg zu dem nächsten Wasserfall mache, fahre ich erst noch weiter bis Owaka und von dort an die Surat Bay. Diese ist – zusammen mit der benachbarten Cannibal Bay – ein sehr guter Ort, um Seelöwen zu sehen. Vor Jahren hatte ich an der Cannibal Bay einmal das Glück, dass gerade ein richtig großer Seelöwe aus dem Wasser an den Strand kam. Dieses Mal hält die Surat Bay für mich eine andere Überraschung bereit. In der Ferne sehe ich mehrere Seelöwen, die sich von den Dünen aus in Richtung Wasser bewegen. Also sehe ich zu, dass ich möglichst schnell in ihre Nähe komme – wobei ich eher 30 als 20 Meter Abstand von ihnen halte. Es ist eine Familie von fünf Seelöwen: das Vatertier zusammen mit vier Jungtieren, davon eines weiblich. Einer der Jungs ist auf Krawall aus und fordert die anderen zu spielerischen Kämpfen auf, so dass hier richtig Action ist – während die anderen Seelöwen, die ich bislang auf dieser Reise sah, ziemlich passiv waren.

Matai Falls

Weiter geht es zu dem nächsten Wasserfall, den Matai Falls, die auf der Strecke zwischen Owaka und Papatowai liegen. Diese sind die unspektakulärsten von den dreien, die ich heute besuche, aber hübsch sind sie ebenfalls. Sie sind außerdem auch weniger beliebt, so dass hier ziemlich wenig los ist. Das gibt mir auch hier die Zeit und Muße, in Ruhe ein paar Fotos zu machen.

Für den nächsten Wasserfall fahre ich weiter in Richtung Papatowai und darüber hinaus, aber nicht ohne einen Stopp am Campingplatz einzulegen. Genauer gesagt lege ich den Stopp am General Store ein, der sich vor dem Campingplatz befindet. Dort werden mittags nämlich – so sagte mir mein Gesprächspartner am Vorabend – leckere Burger angeboten. Im letzten Jahr hat dieser kleine Imbiss in dieser abgelegenen Ecke einen Wettbewerb um den besten Burger des Landes gewonnen. Und auch in diesem Jahr wollen sie das wieder schaffen, mit dem Cherry Bomb Cheeseburger. Und genau den gönne ich mir dann auch. Ob er der beste Burger ist, kann ich nicht beurteilen, da ich die Konkurrenz nicht kenne, aber sehr lecker ist der schon.

McLean Falls

So gestärkt mache ich mich auf den Weg zu meinem letzten Wasserfall in den Catlins, den McLean Falls. Ein Besuch dort lohnt sich auf für Freunde des Waldes, denn der Weg dorthin – angegeben mit 40 Minuten für Hin- und Rückweg zusammen – führt durch einen richtig schönen Wald. Und wer etwas lernen will, findet auch einige Bäume mit Schildern daran, um was es sich genau handelt. Es erweist sich als gut, dass ich erst jetzt am relativ späten Nachmittag hier bin, denn der Wasserfall ist auch bei Badenden sehr beliebt. Auf dem Weg durch den Wald kommen mir etliche Jugendliche in Badeklamotten entgegen – da war wohl eine Jugendgruppe oder Schulklasse zum Ausflug dort, denn auf dem Parkplatz standen auch zwei Kleinbusse – als ich vor acht Jahren hier war, waren hier ebenfalls viele Jugendliche, die dort gebadet und geplanscht haben. Zu meiner Überraschung bin ich an diesem Wasserfall dann tatsächlich ganz alleine und begegne auch auf dem Rückweg niemandem.

Curio Bay

Den Abschluss des Tages bildet die Curio Bay. Dort gibt es einen Campingplatz, auf dem ich schon lange mal übernachten wollte – und heute ist es dann soweit. Dieser befindet sich direkt oberhalb der Steilküste – es gibt hier Stellplätze, bei denen man den Camper mit freiem Blick auf das Meer stellen kann. Ich habe einen Stellplatz etwas unterhalb, umgeben von Flachs – was auch ganz gut ist, denn es wird in der Nacht und am nächsten Morgen ganz schön windig sein, weiß der Harald aus der Zukunft. Die Curio Bay bietet zwei besondere Sehenswürdigkeiten – die benachbarte, ebenfalls vom Campingplatz aus einsehbare Porpoise Bay mit Delphinen noch eine weitere: Zum einen einen versteinerten Wald, der sich unterhalb der Steilküste im Meer befindet und bei nicht zu hohem Wasserstand sichtbar ist (allerdings stehen die ehemaligen Bäume nicht, sondern sie liegen) sowie Hoihos – Yellow-Eyed Penguins. Diese sind eine sehr seltene und nur in Neuseeland vorkommende Tierart – ich hatte sie bei Oamaru schon erwähnt. Hier an der Küste nisten mehrere Paare – diese Art lebt nicht in Kolonien, sondern es leben immer Paar zusammen, die zu anderen immer ein Stück Abstand halten. In der Dämmerung kommen sie üblicherweise an Land, aber am heutigen Tag habe ich kein Glück. So bleibt der krönende Abschluss des Tages durch Pinguinsichtung leider aus, aber angesichts der übrigen Erlebnisse des Tages ist das Klagen auf hohem Niveau.

Leave a Reply