Von Curio Bay aus geht es heute weiter entlang der Southern Scenic Route, die von Dunedin aus bis Te Anau verläuft. Sie trägt ihren Namen durchaus zu Recht, wie gestern ja schon zu sehen war. Der erste Stopp für heute ist Invercargill, die größte Stadt in Southland. Bei früheren Reisen habe ich mir die Stadt schon ein wenig ausführlicher angesehen, heute aber belasse ich es bei einer kurzen Visite.

Diese verbringe ich im Queens Park, dem größten Park in der Stadt, wo ich mich als allererstes im dortigen Café stärke. Das eigentliche Ziel ist aber Te Moutere – Tuatara Island, was schöner klingt als die Anlage tatsächlich ist. Im Grunde handelt es sich um ein recht großes Terrarium von ungefähr 20 Metern Länge, unterteilt in mehrere Bereiche. Es wurde vor einigen Jahren angelegt, nachdem das Southland Museum and Art Gallery schließen musste, da es nicht erdbebensicher war. Dort waren die Tuataras zuvor untergebracht.

Henry, mit mindestens 135 Jahren der älteste bekannte Tuatara

Das neue Gehege ist durchaus ein ganzes Stück schöner als das alte. Und da es sonnig ist, zeigen sich auch erfreulich viele dieser Echsen und sie sind sogar recht aktiv – für Tuatara-Verhältnisse, denn die meiste Zeit ihres Lebens verbringen sie mit gepflegtem Nichtstun. Das immerhin scheint ihnen gut zu bekommen, denn sie erreichen problemlos ein Alter von weit mehr als 100 Jahren. Henry, der älteste bekannte Tuatara, ist bereits 135 Jahre alt, seine beiden Gehegegenossinnen sind auch schon über 70, also im besten Alter. Ich verbringe eine ganze Weile bei diesen sehr seltenen Tieren, die man nur in wenigen Gehegen in Neuseeland, noch weniger in anderen Ländern zu sehen bekommt. In freier Wildbahn leben sie nur auf einigen wenigen vorgelagerten Inseln, die raubtierfrei sind. Die Tuatara sind mit anderen Echsen praktisch gar nicht verwandt und sind die einzigen Vertreter ihrer Ordnung; sie lebten schon zu Zeiten der Dinosaurier.

Südküste bei Riverton

Die Fahrt geht weiter in Richtung Westen. Von Invercargill aus, wo ich vor dreißig Jahren meine Radreise gestartet habe, folge ich auf den Spuren derselben. Nachdem es zunächst ein Stück ins Landesinnere geht, biege ich in die Straße in Richtung Riverton, wo ich damals meine erste Etappe beendet habe. Ab kurz vor Riverton hat man immer wieder schöne Ausblicke auf die Küste und die Tasmanische See – bis hierher war mein Meerblick immer auf den Pazifik. In der Ferne wäre theoretisch auch Stewart Island zu sehen, aber von dort schiebt sich gerade eine große Wolkenwand heran, die ab heute nachmittag und in den kommenden Tagen Regen bringen soll.

Die Straße biegt dann von der Küste weg und führt längs des Waiau River, der früher mal sehr viel wilder gewesen sein muss, aber seit dem Bau eines Wasserkraftwerks am Lake Manapouri und der damit verbundenen Ableitung großer Wassermassen, ist er „nur noch“ ein normaler Fluss. Nach einigen Kilometern erreiche ich Tuatapere, die „Sausage Capital of New Zealand“, wie ein Schild verheißt – vor allem aber eine ehemalige Holzfällerstadt. Von hier aus habe ich vor vielen Jahren schon einmal eine sehr schöne Wanderung gemacht, den Hump Ridge Track. Am Informationszentrum, in dem man diese Wanderung buchen kann, mache ich Halt – aber dieses Mal nicht wegen der Wanderung, sondern weil ich fragen will, ob zufälligerweise morgen der Wairaurahiri Jet eine Tour anbietet und zudem auch noch ein Platz frei ist. Das hatte ich vor Jahren schon einmal versucht, aber sie findet nur statt, wenn sich mindestens sechs Personen finden, was damals leider nicht der Fall war. Dieses Mal aber klappt es tatsächlich. Also buche ich natürlich sofort.

Thicket Burn Campsite

Der Startpunkt für die Tour ist aber nicht Tuatapere, sondern der Lake Hauroko, der sich ein Stück nordöstlich von dort befindet. Zunächst hatte ich vor, in Tuatapere zu übernachten, aber die Campingplätze dort sind nicht so wirklich attraktiv. Und meine App zeigt mir, dass es nur 6 Kilometer vom See entfernt eine Campsite des DOC gibt, die sogar umsonst ist – was natürlich bedeutet, dass man dort außer einem Plumpsklo, ein paar Tischen und Bänken und eventuell Feuerstellen nur Gegend gibt. Das klingt für mich gut – und ebenso, dass ich dann morgen nur eine kurze Anfahrt zum Bootsanleger haben werde. Also mache ich mich auf den Weg in Richtung Clifden. Kurz vor diesem „Ort“ biegt die 32 km lange Straße zum Lake Hauroko ab; die ersten 12 davon sind sogar asphaltiert. Die Schotterpiste lässt sich aber weitgehend gut fahren, nur sieht das Auto hinterher ziemlich dreckig aus; der nächste größere Regen, den ich bestimmt noch erleben werde, wird‘s schon richten.

Auf dem Campingplatz ist außer mir nur ein Paar aus Auckland – er Arzt, sie Krankenschwester –, die gerade für drei Wochen Urlaub auf der Südinsel machen. Sie wollen morgen auf eine sehr abgelegene Wanderung und kochen dafür gerade was zu essen vor. Für ihr Abendessen haben sie zudem gerade zu viele Bratkartoffeln gemacht, so dass sie mich einladen. Ich revanchiere mich mit Schokolade für den Nachtisch. Nach einigem Plaudern mache ich mich schließlich auf den Weg in meine Büchse.

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