Heute geht es weiter mit Erkundungen westlich der Innenstadt. Mein erster Besuch gilt der Christchurch Art Gallery Te Puna o Waiwhetū. Dort gibt es zwei Ausstellungen, die mich besonders interessieren. Die erste heißt „He Kapuka Oneone – A Handful of Soil“; dort geht es um das Verhältnis der Menschen (tangata, oder wie man hier im Süden sagt: takata) zum Land (whenua). Unter anderem ist dort etliches an Landschaftsmalerei, aber auch einige Fotos ausgestellt. In der zweiten Ausstellung „Kā Whakatauraki: The Promises“ geht es um die Land„käufe“, mit denen die Pākeha, die europäischen Siedler, und die von ihnen dominierten staatlichen Organe die tangata whenau (die Menschen des Landes; eine Selbstbezeichnung der Māori) der Südinsel unter systematischem Bruch des Vertrags von Waitangi – des Gründungsdokuments Neuseelands – gegen lächerliche Entschädigungen de facto enteignet haben.

„Fighting for Sovereignty“ von Cora-Allen
Christchurch Art Gallery

Gleich nebenan befindet sich das Center of Contemporary Art, in dem derzeit ein sehr kleiner Teil der Sammlung des Canterbury Museum gezeigt wird. Letzteres befindet sich eigentlich direkt am Botanischen Garten, ist aber nach den Erdbeben zum größten Teil abgerissen worden und erhält nun einen Neubau, der 2029 fertiggestellt werden soll. In der kleinen Sammlung halte ich mich daher nur kurz auf.

Wenige Meter weiter befindet sich das Arts Centre, das bei den Beben ebenfalls stark beschädigt wurde. In diesen Gebäuden befand sich früher das Canterbury College der University of New Zealand und nach deren Auflösung die Canterbury University, die aber bald darauf in neue Gebäude etwas weiter außerhalb umzog; einer der bedeutendsten Studenten hier war Ernest Rutherford. Heute sind in den Gebäuden kleine Läden, Galerien und ein Kino untergebracht. Ein längeres Gespräch ergibt sich mit einer Mitarbeiterin des Centre, die das Beben seinerzeit im Canterbury Museum miterlebt hat und dann die Straße am Arts Centre entlang nach Hause ging, während von diesem weitere Türmchen und Wände herunterstürzten.

Peacock Fountain im Botanischen Garten; viele Tiere, aber kein Pfau dabei…

Direkt hinter dem Arts Centre (aus der Innenstadt kommend) liegt der Botanische Garten – und die Baustelle des Canterbury Museum. Im Garten halte ich mich eine ganze Weile auf, zum einen, weil dies ein sehr schöner ruhiger Ort mitten im Grünen ist, zum anderen weil ich hier einige Fotos von neuseeländischen Pflanzen machen möchte, die hier – im Gegensatz zur freien Wildbahn – Schilder haben, so dass sogar ich sie identifizieren kann. So hoffe ich, dass ich dann auch im weiteren Verlauf der Reise ein paar mehr Pflanzen erkennen kann als bislang.

Treppenhaus von Turanga, der zentralen Stadtbibliothek von Christchurch

Im Anschluss mache ich mich auf den Weg zurück in die Innenstadt, wo ich nun endlich Turanga, die Bibliothek, besuche. Sie ist tatsächlich weit mehr als eine Bibliothek, sondern eher ein Medienzentrum mit sehr vielen Mitmachmöglichkeiten und einer Art Makerspace. Die Architektur ist sehr sehenswert. Leider allerdings sind die beiden Dachgärten gerade gesperrt, so dass ich diese nicht besuchen kann.

Zum Abendessen gehe ich in den Riverside Market, wo ich ein Green Curry zu mir nehme. Auf dem Weg nach Hause mache ich noch einen Umweg zum Smash Palace, einem Biergarten mit Kultcharakter, wo ich ein Hazy IPA trinke – die Bierentdeckung dieser Reise bislang für mich. Während ich dort zusammen mit einigen Locals stehe, zieht ein richtig dicker Schauer über uns hinweg, aber wir stehen zum Glück im Trockenen. Während ich zum Foley Towers gehe, merke ich schon, dass es deutlich kühler geworden ist.

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